Bis vor einigen Jahren war ich ein einfacher Obstbauer aus Hag Halvor, der sein Leben zwischen Hainen, Kelterei und den kleinen Freuden des Alltags verbrachte. Gemeinsam mit meinem Vater Dagomarus und meinem Bruder Barrus bewirtschaftete ich unser Land am Fuße des Drachenkamms. Obwohl meine Mutter früh verstarb, führten wir ein zufriedenes Leben, geprägt von harter Arbeit und der Freude am einfachen Dasein.
Eines Tages kehrte ich von einer Reise nach Aarenhus zurück – und fand eine schreckliche Szene vor. Unser Hof war bis auf die Grundmauern niedergebrannt, mein Vater lag tot auf dem Boden, offensichtlich von Klauen eines wilden Tieres zerfetzt. Von meinem Bruder fehlte jede Spur. Doch bald wurde klar, dass dies kein Werk gewöhnlicher Tiere war. Kein Raubtier tötet ohne Not und zündet Gebäude an. Die Spuren ließen nur einen Schluss zu: Wendools, jene furchterregenden Kreaturen, die in Rudeln hausen und Zerstörung hinterlassen, wo immer sie auftauchen.
Nachdem ich meinen Vater so gut es ging begraben hatte, packte ich die wenigen Habseligkeiten, die ich retten konnte. Ich brachte Werkzeuge wie Sägen, Sensen und Hacken zu einem befreundeten Schmied in Halgris und bat ihn, daraus eine Waffe zu schmieden. Mein Ziel war klar: Ich wollte Vergeltung. In Halgris traf ich Fehild, die Tochter des Schmieds und eine erfahrene Schildmaid. Sie lud mich ein, ihrer Kriegerschar beizutreten – sowohl, um mich an den Wendools zu rächen, als auch, um ein neues Leben zu beginnen. Dankbar nahm ich an, denn ich hatte nichts mehr zu verlieren.
Die ersten Tage mit der Kriegerschar waren ungewohnt. Der Lärm und die Geschäftigkeit der Gruppe ließen mich oft die Einsamkeit des Waldes suchen. Eines Morgens, als ich allein durch die stillen Bäume streifte, fand ich mich auf einer Lichtung wieder. Nebel lag über dem Boden, und plötzlich stand ein mächtiger Hirsch vor mir, so nah, dass ich seinen Atem spüren konnte. Das Tier sah mich lange an, und für einen Moment schien die Welt stillzustehen.
War dies ein Zeichen der Götter? Ich konnte es nicht sagen, doch in diesem Augenblick begriff ich etwas: Wie der Hirsch musste auch ich meine Vergangenheit abwerfen, wie er sein Geweih. Ich musste weiterziehen, stark und aufrecht, meinen Weg beharrlich verfolgen. Kämpfen würde ich nicht aus Hass, sondern um das zu schützen, was mir lieb war.
Von diesem Tag an widmete ich mich mit neuer Entschlossenheit der Kriegskunst. Mein Lehrer, Hrothgar Drachenfels, zeigte mir Geduld und Disziplin, während Fehild mich unermüdlich unterstützte. Gemeinsam zogen wir durch die Südlande, verteidigten Dörfer und Städte, und bereisten sogar ferne Länder wie das Reich der Lesath. Wir kämpften gegen die Rote Legion in Südandryll und suchten die Drachenlande heim. Doch selbst inmitten dieser Abenteuer sehnte ich mich immer nach der Ruhe und Einfachheit meines alten Lebens.
Mit der Zeit kehrte ich zurück nach Hag Halvor. Gemeinsam mit Fehild baute ich den Hof wieder auf. Die Bäume und Sträucher trugen bald wieder Früchte, und wir stellten erneut Wein und Liköre her. In den Bergen fand ich Frieden, und ich spürte die Nähe der Götter, mehr als je zuvor.
Heute führen wir ein Leben zwischen den Welten: ein Fuß in der Arbeit der Bauern, der andere in der Welt der Krieger. Und so blicke ich voller Dankbarkeit auf das, was verloren und wiedergefunden wurde.